Ich habe es so nötig,
Ihr Denken neben mir zu fühlen.
(Simone de Beauvoir)


 

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Frank Wedekind - Frühlings Erwachen

1. Akt, 3. Szene
[...]
MARTHA. Wenn du welche bekommst, Wendla, was möchtest du lieber, Knaben oder Mädchen?
WENDLA. Jungens! Jungens!
THEA. Ich auch Jungens!
MARTHA. Ich auch. Lieber zwanzig Jungens als drei Mädchen.
THEA. Mädchen sind langweilig!
MARTHA. Wenn ich nicht schon ein Mädchen geworden wäre, ich würde es heute gewiss nicht mehr.
WENDLA. Das ist, glaube ich, Geschmackssache, Martha! Ich freue mich jeden Tag, dass ich ein Mädchen bin. Glaub mir, ich wollte mit keinem Königssohn tauschen. - Darum möchte ich aber doch nur Buben!
THEA. Das ist doch Unsinn, lauter Unsinn, Wendla!
WENDLA. Aber ich bitte dich, Kind, es muss doch tausendmal erhebender sein, von einem Manne geliebt zu werden als von einem Mädchen!
THEA. Du wirst doch nicht behaupten wollen Forstreferendar Pfälle liebe Melitta mehr als sie ihn!
WENDLA. Das will ich wohl, Thea! - Pfälle ist stolz. Pfälle ist stolz darauf, dass er Forstreferendar ist - denn Pfälle hat nichts. Melitta ist selig, weil sie zehntausendmal mehr bekommt, als sie ist.
MARTHA. Bist du nicht stolz auf dich, Wendla?
WENDLA. Das wäre doch einfältig.
MARTHA. Wie wollt ich stolz sein an deiner Stelle!
THEA. Sieh doch nur, wie sie die Füße setzt - wie sie geradeaus schaut - wie sie sich hält, Martha! - Wenn das nicht Stolz ist!
WENDLA. Wozu nur? Ich bin so glücklich, ein Mädchen zu sein; wenn ich kein Mädchen wär, brächt ich mich um, um das nächste Mal...
[...]
31.8.10 21:25
 


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